Zwei Freunde, ein Shirt, ein Sommer am Meer

Von Raffi · 28. August 2023 · 3 Min.

Zwei Freunde, ein Shirt, ein Sommer am Meer

Es gibt ein Foto von 2020, da stehen ein paar von uns am Meer, alle in Shirts mit einer individuellen Brusttasche. Wir sehen aus, als hätten wir einen Plan. Hatten wir nicht. Aber wir hatten eine Tasche voller Shirts dabei, und das war eigentlich der Plan.

Wie es dazu kam, dauert ein bisschen länger. Also von vorn.

Das Projekt davor

Oli und ich kennen uns seit vielen Jahren. Kennengelernt haben wir uns nicht beim Bier, sondern in einem Projekt, das ziemlich groß gedacht war: ein Online-Designer, mit dem man alles Mögliche an Kleidung selbst in 3D gestalten kann. Farben, Schnitte, Motive, das ganze Programm. Das Projekt war gefördert, wir waren zu dritt, und es war ernst.

Nach ein paar Jahren in der Entwicklung hatte der dritte im Bunde andere Ideen, weshalb nur Oli und ich übrig geblieben. Wir waren weiterhin motiviert und wollten etwas möglichst individualisierbares und nachhaltiges mit Kleidung machen.

Wir haben uns dann gefragt, was passiert, wenn man das Ganze nicht groß, sondern klein denkt. Nicht alles designen können, sondern eine Sache richtig. Ich glaube, es war Oli, der gesagt hat: Lass uns einfach was Cooles machen. Und aus dem "was Cooles" ist die Brusttasche geworden.

Warum ausgerechnet eine Tasche

Jeder hat schon einmal ein bedrucktes Shirt gehabt. Vorne ein Motiv, hinten ein Spruch, und nach zwei Wochen zieht man es nicht mehr an, weil es schreit. Uns ist aufgefallen, dass es das Gegenteil davon nicht gibt: ein ganz normales, gutes Shirt, und nur die Brusttasche trägt das Motiv. Klein, nicht aufdringlich, aber deins.

Das hatte damals keiner. Wir haben es also gemacht.

Die ersten Shirts waren für uns selbst und für Freunde. Kein Kunde weit und breit, nur wir, die sich ausprobiert haben. Der eine hat sich ein Foto auf die Tasche gepackt, der nächste ein Muster, das er irgendwo gesehen hat, die dritte einen Schriftzug, den nur ihre Schwester versteht. Genau da haben wir gemerkt, dass die Tasche etwas macht, was ein großer Print nicht macht: Man erzählt eine Geschichte, ohne sie jedem auf drei Meter Entfernung vorzulesen.

Das mit dem Stoff

Was uns am Anfang am meisten Zeit gekostet hat, war nicht die Idee, sondern das Material. Auf normalem Shirt-Stoff drucken viele Farben fad. Blau wird grau, Rot wird matt, ein Foto verliert seine Tiefe. Wir haben Stoffe bestellt, bedruckt, verworfen, wieder bestellt. Oli hat in Gleisdorf die Nähmaschinen und die Druckgeräte, also lief das bei ihm, und ich hab in Wien Muster ausgepackt und Fotos gemacht.

Irgendwann hatten wir den Stoff, auf dem die Farben so rauskommen, wie sie am Bildschirm ausschauen. Das war der Moment, in dem aus der Spielerei ein Produkt geworden ist.

Wer wir sind

Damit ihr wisst, wer da schreibt: Oli kommt aus Gleisdorf in der Steiermark und macht seit Jahren Textilproduktion, unter anderem für Sportler und CrossFit-Boxen im ganzen deutschsprachigen Raum. Er weiß, wie man näht, druckt und wie ein Shirt sein muss, damit es nach fünfzig Wäschen noch gut aussieht. Bei uns macht er die Produktion. Jede Tasche, die rausgeht, ist durch seine Werkstatt gegangen.

Ich bin Raffi, ich sitz in Wien und mach alles andere. Website, Fotos, Texte, Kundenmails, die Ideen um zwei in der Früh. Beruflich mach ich Filme, deshalb sind auf dieser Seite so viele Fotos.

Wir sehen uns nicht jede Woche. Aber ab und zu fahren wir gemeinsam ans Meer, offiziell um Stoffe und Produktionspartner anzuschauen, in Wahrheit auch, weil man am Wasser einfach besser denkt. Ein paar der besten Ideen für My Pocket Shirt sind nicht am Schreibtisch entstanden.

Der Sommer, das Meer, die Fotos

Und damit zurück zum Foto vom Anfang. Sommer 2020, ich war mit Freunden am Meer und hatte die erste Charge Shirts dabei. Der Plan war, ein paar gute Fotos zu machen. Herausgekommen ist ein Urlaub, an den ich heute noch gern zurückdenke, und ungefähr die Hälfte der Bilder, die ihr auf dieser Seite seht.

Auf den Fotos sieht man Leute, die sich wohlfühlen in dem, was sie anhaben. Das war kein Shooting mit Models, das waren Freunde in Shirts, die für sie gemacht waren. Genau so soll sich das anfühlen.

Warum wir das machen

Wir haben beide einen Hauptjob. Niemand zwingt uns, daneben Shirts zu nähen. Wir machen es, weil es Spaß macht, etwas zu erfinden und dann wirklich in der Hand zu halten. Und weil so eine kleine Tasche erstaunlich viel sagen kann. Ein Foto, ein Wort, eine Zeichnung. Ein Statement, das nicht schreit.

Das Shirt drunter ist ein gutes Bio-Basic, das man mit allem kombinieren kann. Die Tasche macht es zu deinem.

Wenn du das mal ausprobieren willst: Wir freuen uns über jedes Motiv, das wir noch nie gesehen haben. Und davon gibt es zum Glück noch ein paar.

Raffi